Chlordioxid im Trinkwasser: Grenzwerte, Chlorit und Chlorat
Im Trinkwasser dürfen nach der Aufbereitung höchstens 0,2 mg/l Chlordioxid enthalten sein, zugegeben werden dürfen höchstens 0,4 mg/l. Beim Einsatz entstehen die Reaktionsprodukte Chlorit und Chlorat. Für beide legt die Trinkwasserverordnung Grenzwerte fest: 0,20 mg/l für Chlorit und 0,070 mg/l für Chlorat bei dauerhafter Dosierung.
Welche Grenzwerte gelten für Chlordioxid und seine Nebenprodukte?
Die Werte stammen aus zwei Quellen: der Liste der zulässigen Aufbereitungsstoffe nach § 20 der Trinkwasserverordnung, die das Umweltbundesamt führt, und Anlage 2 der Trinkwasserverordnung mit den chemischen Grenzwerten.
| Parameter | Wert | Fundstelle | Hinweis |
|---|---|---|---|
| Chlordioxid, Zugabe | höchstens 0,4 mg/l | UBA-Liste, Teil I c | Verwendungszweck Desinfektion |
| Chlordioxid nach der Aufbereitung | 0,05 bis 0,2 mg/l | UBA-Liste, Teil I c | Mindest- und Höchstgehalt |
| Chlorit | 0,20 mg/l | TrinkwV, Anlage 2 | gilt als eingehalten, wenn nicht mehr als 0,20 mg/l Chlordioxid zugegeben werden |
| Chlorat | 0,070 mg/l | TrinkwV, Anlage 2 | bei zeitweiser Dosierung 0,20 mg/l; mit Chlordioxid eingehalten, wenn nicht mehr als 0,20 mg/l zugegeben werden |
| Trihalogenmethane, Summe | 0,050 mg/l | TrinkwV, Anlage 2 | Reaktionsprodukt von Chlor, Hypochloriten und Ozon |
| Bromat | 0,010 mg/l | TrinkwV, Anlage 2 | Reaktionsprodukt von Ozon und Hypochloriten |
Quellen: UBA-Liste nach § 20 TrinkwV, Stand Januar 2023; Trinkwasserverordnung, Anlage 2.
Was sind Chlorit und Chlorat?
Chlorit und Chlorat sind Reaktionsprodukte, die entstehen, wenn Chlordioxid im Wasser reagiert oder zerfällt. Die Liste nach § 20 TrinkwV nennt beide ausdrücklich als „zu beachtende Reaktionsprodukte" von Chlordioxid. Für Chlorit fügt sie hinzu, dass ein Höchstwert von 0,2 mg/l nach Abschluss der Aufbereitung eingehalten werden muss und dass er als eingehalten gilt, wenn nicht mehr als 0,2 mg/l Chlordioxid zugegeben werden.
Für Chlorat nennt die Liste zwei Höchstwerte: 70 µg/l bei dauerhafter Zugabe und 200 µg/l bei zeitweiser Zugabe, wenn die Desinfektion anders nicht gewährleistet werden kann. Die Trinkwasserverordnung führt dieselben Werte in Anlage 2, in Milligramm geschrieben: 0,070 und 0,20 mg/l.
Bildet Chlordioxid Trihalogenmethane?
Die Liste nach § 20 TrinkwV nennt für Chlordioxid nur Chlorit und Chlorat als Reaktionsprodukte. Trihalogenmethane führt sie bei Chlor, Natrium- und Calciumhypochlorit sowie bei Ozon auf. Anders als Chlor reagiert Chlordioxid mit organischen Stoffen im Wasser überwiegend oxidierend und nicht chlorierend. Das ist der Grund, warum für Chlordioxid die Nebenprodukte Chlorit und Chlorat im Blick stehen und nicht die Trihalogenmethane.
Wer muss die Werte kontrollieren?
Wer Trinkwasser dauerhaft mit einem Aufbereitungsstoff behandelt, muss die verbliebene Konzentration nach der Aufbereitung täglich durch geschultes Personal untersuchen lassen. So steht es in Tabelle 1a der UBA-Liste. Das Gesundheitsreferat München verlangt für Desinfektionsmittel in der Trinkwasser-Installation, die Konzentration täglich an der Zapfstelle, die der Dosierstelle am nächsten liegt, und gegebenenfalls an hydraulisch ungünstigen Stellen zu bestimmen und zu dokumentieren.
Setzt ein Betreiber einen Aufbereitungsstoff ein, muss er die Anschlussnehmer und Verbraucher nach § 26 TrinkwV schriftlich über den Beginn des Einsatzes und über die Konzentration im Trinkwasser informieren. Wie der Restgehalt gemessen wird, steht auf der Seite Probenahme und Messung.
Was bedeutet das für die Anwendung von biostream® ZERO?
Die Dosieranleitung unterscheidet zwei Fälle. Bei der geringen Dosierung, die nach ihren Angaben der Trinkwasserverordnung entspricht, bleibt das Mittel im Wasser, und das Wasser kann laut Dosieranleitung als Trinkwasser verwendet werden. Die Stufen 1 bis 3 sind dagegen Anlagendesinfektionen: Nach der Einwirkzeit werden Behälter und Leitungen vollständig entleert und wieder mit Trinkwasser gefüllt. Eventuelle Produktreste sind dann nach Angaben der Dosieranleitung so weit verdünnt, dass das Wasser wieder als Trinkwasser verwendet werden kann.
Die Menge Konzentrat für Ihre Wassermenge berechnet der Dosierrechner.
Häufige Fragen zu Grenzwerten
Wie viel Chlordioxid darf dem Trinkwasser zugegeben werden?
Höchstens 0,4 mg/l. Nach der Aufbereitung muss der Gehalt zwischen 0,05 und 0,2 mg/l liegen. Beide Werte stehen in der Liste der zulässigen Aufbereitungsstoffe nach § 20 der Trinkwasserverordnung.
Muss Chlorit im Trinkwasser untersucht werden?
Nach Anlage 2 der Trinkwasserverordnung gilt der Chlorit-Grenzwert von 0,20 mg/l als eingehalten, wenn nicht mehr als 0,20 mg/l Chlordioxid zugegeben werden. Auf eine Untersuchung kann in der Regel verzichtet werden, wenn keine Desinfektion mit Chlordioxid erfolgt.
Was gilt für Chlorat bei zeitweiser Dosierung?
Für die zeitweise Dosierung gilt ein Chlorat-Grenzwert von 0,20 mg/l statt 0,070 mg/l. Bei der Desinfektion mit Chlordioxid gilt er als eingehalten, wenn nicht mehr als 0,20 mg/l Chlordioxid zugegeben werden.
Warum ist das Wasser nach einer Anlagendesinfektion wieder trinkbar?
Weil das Desinfektionswasser nach der Einwirkzeit verworfen wird. Nach einer Anlagendesinfektion muss gründlich gespült werden, um Reste des Desinfektionsmittels auszuspülen; so steht es auch in den DVGW-Hinweisen zur Trinkwasserversorgung auf Veranstaltungen. Bei biostream® ZERO werden Behälter und Leitungen vollständig entleert und neu mit Trinkwasser gefüllt; bei Schankanlagen genügt nach der Dosieranleitung das Durchspülen mit der doppelten Wassermenge der Anlage.
Quellen
- Umweltbundesamt: Liste der zulässigen Aufbereitungsstoffe und Desinfektionsverfahren gemäß § 20 TrinkwV, Stand Januar 2023
- Trinkwasserverordnung, Anlage 2: chemische Parameter
- Trinkwasserverordnung, § 26: Informationspflichten
- Gesundheitsreferat München: Hinweise zum Einsatz von Desinfektionsmitteln in der Trinkwasserinstallation (2025)
Diese Seite ersetzt keine Rechtsberatung. Maßgeblich ist die jeweils geltende Fassung der Trinkwasserverordnung und der Liste nach § 20.