Chlordioxid im Trinkwasser: Zulassung, Grenzen und Normen
Ja, Chlordioxid darf zur Desinfektion von Trinkwasser eingesetzt werden. Die Trinkwasserverordnung erlaubt bei der Aufbereitung nur Stoffe aus der Liste, die das Umweltbundesamt nach § 20 führt (§ 19 Abs. 3 TrinkwV). Chlordioxid steht dort mit dem Verwendungszweck Desinfektion. Die Liste legt auch fest, wie viel zugegeben werden darf und wie viel nach der Aufbereitung im Wasser bleiben darf.

Wer entscheidet, was ins Trinkwasser darf?
Die Trinkwasserverordnung regelt, welche Stoffe dem Trinkwasser zugesetzt werden dürfen. Nach § 19 Abs. 3 TrinkwV dürfen bei der Aufbereitung nur Aufbereitungsstoffe und Desinfektionsverfahren eingesetzt werden, die in der Liste nach § 20 stehen. Diese Liste führt das Umweltbundesamt und macht sie im Bundesanzeiger bekannt. Die aktuelle Fassung hat den Stand Januar 2023.
Wer Wasser mit einem Stoff aufbereitet, der nicht in der Liste steht, darf es nach § 22 TrinkwV nicht als Trinkwasser abgeben. Andere Stoffe als Aufbereitungsstoffe dürfen dem Trinkwasser nach § 19 Abs. 2 gar nicht zugesetzt werden.
Was steht in der Liste zu Chlordioxid?
Die Liste führt Chlordioxid in Teil I c, dem Abschnitt der Stoffe zur Desinfektion. Für Wasser, das als Trinkwasser abgegeben wird, gelten diese Angaben:
| Angabe in der Liste | Chlordioxid (ClO₂) |
|---|---|
| Verwendungszweck | Desinfektion |
| Reinheitsanforderungen | DIN EN 12671, mit Angaben zu den Ausgangsstoffen |
| Höchste zulässige Zugabe | 0,4 mg/l |
| Gehalt nach der Aufbereitung | höchstens 0,2 mg/l, mindestens 0,05 mg/l |
| Zu beachtende Reaktionsprodukte | Chlorit und Chlorat |
| Chlorit | höchstens 0,2 mg/l; gilt als eingehalten, wenn nicht mehr als 0,2 mg/l Chlordioxid zugegeben werden |
| Chlorat | 70 µg/l bei dauerhafter Zugabe, 200 µg/l bei zeitweiser Zugabe |
Quelle: Liste der zulässigen Aufbereitungsstoffe und Desinfektionsverfahren gemäß § 20 TrinkwV, Stand Januar 2023 (BAnz AT 27.01.2023 B12), Teil I c.
Teil II der Liste nennt vier anerkannte Wege, Chlordioxid herzustellen und zu dosieren, jeweils mit Verweis auf das DVGW-Arbeitsblatt W 224. Die Grenzwerte für Chlorit und Chlorat stehen außerdem in Anlage 2 der Trinkwasserverordnung. Was sie bedeuten, erklärt die Seite Grenzwerte, Chlorit und Chlorat.
Diese Werte gelten für Wasser, das getrunken wird. Bei der Desinfektion von Leitungen, Tanks und Behältern, der sogenannten Anlagendesinfektion, wird das Desinfektionswasser anschließend verworfen und die Anlage gründlich gespült. Dafür gelten die DVGW-Arbeitsblätter W 291 und W 551-3.
Was regelt die Biozidverordnung?
Die Verordnung (EU) Nr. 528/2012, kurz Biozidverordnung, regelt nicht das Trinkwasser, sondern das Produkt: welcher Wirkstoff in einem Desinfektionsmittel enthalten sein darf und von wem er stammt. Chlordioxid gehört zu den bestehenden Wirkstoffen, die die EU in einem Prüfprogramm bewertet (Delegierte Verordnung (EU) Nr. 1062/2014, Anhang II). Die EU entscheidet dabei je Herstellungsweg und Produktart; solange für einen Weg keine Entscheidung gefallen ist, gelten Übergangsregeln.
Eine dieser Regeln steht in Artikel 95: Ein Biozidprodukt darf nur bereitgestellt werden, wenn der Lieferant des Wirkstoffs oder des Produkts für die betreffende Produktart in der Liste der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) eingetragen ist. Die Angabe „konform Artikel 95“ ist also eine Aussage über die Herkunft des Wirkstoffs, nicht über seine Wirksamkeit.
Welche Normen und Regelwerke gelten für Chlordioxid?
Jedes Regelwerk regelt einen anderen Ausschnitt. Keines ersetzt ein anderes.
| Regelwerk | Was es regelt |
|---|---|
| Trinkwasserverordnung (TrinkwV), §§ 19, 20, 22 und Anlage 2 | Welche Stoffe bei der Aufbereitung erlaubt sind und welche Grenzwerte, etwa für Chlorit und Chlorat, im Trinkwasser gelten. |
| Liste nach § 20 TrinkwV (Umweltbundesamt, Stand Januar 2023) | Zulässige Aufbereitungsstoffe mit Zweck, Zugabe, Restgehalt und Reaktionsprodukten; Chlordioxid zur Desinfektion. |
| Biozidverordnung (EU) Nr. 528/2012, Artikel 95 | Herkunft des Wirkstoffs: Lieferant in der ECHA-Liste für die Produktart. |
| DIN EN 12671 (Ausgabe 2016-09) | Produkte zur Aufbereitung von Wasser für den menschlichen Gebrauch: vor Ort erzeugtes Chlordioxid. |
| DVGW W 224 (Ausgabe 2023-03) | Verfahren zur Desinfektion von Trinkwasser mit Chlordioxid: Herstellung und Einsatz. |
| DVGW W 291 (Ausgabe 2021-12) | Reinigung und Desinfektion von Wasserversorgungsanlagen; nennt Chlordioxid als bewährte Desinfektionschemikalie. |
| DVGW W 551-3 (Ausgabe 2022-08, ersetzt W 557) | Reinigung und Desinfektion von Trinkwasser-Installationen einschließlich nicht ortsfester Anlagen. |
| DIN 2001-2 (Ausgabe 2025-06) | Trinkwasserversorgung aus nicht ortsfesten Anlagen, zum Beispiel Wohnmobil, Boot oder Festplatz. |
| DVGW W 270 und KTW-Bewertungsgrundlage des UBA | Werkstoffe im Kontakt mit Trinkwasser, etwa Schläuche; rechtlich verankert in §§ 14 und 15 TrinkwV. |
| Richtlinie Nr. 5 des Arbeitskreises der Küstenländer (2008) | Chemische Desinfektion von Trinkwasser auf Schiffen; erlaubt Natriumhypochlorit, Calciumhypochlorit und Chlordioxid. |
Wie Sie Trinkwasserschläuche richtig desinfizieren, zeigt die Anleitung zur Schlauchdesinfektion.
Zulässig heißt noch nicht wirksam
Die beiden Begriffe werden oft verwechselt. Dass ein Stoff in der Liste steht, sagt, dass er eingesetzt werden darf. Es sagt nichts darüber, wie gut ein bestimmtes Produkt wirkt. Umgekehrt ersetzt ein Wirksamkeitsnachweis keine Zulässigkeit. Wie wir die Wirksamkeit von biostream® ZERO belegen, steht auf der Seite Wirksamkeitsnachweis.
Häufige Fragen zur Zulassung
Ist Chlordioxid für Trinkwasser zugelassen?
Chlordioxid steht in der Liste der zulässigen Aufbereitungsstoffe und Desinfektionsverfahren nach § 20 der Trinkwasserverordnung, mit dem Verwendungszweck Desinfektion. Nur Stoffe aus dieser Liste dürfen bei der Aufbereitung von Trinkwasser eingesetzt werden.
Wie viel Chlordioxid darf im Trinkwasser bleiben?
Nach der Aufbereitung höchstens 0,2 mg/l und mindestens 0,05 mg/l, bei einer Zugabe von höchstens 0,4 mg/l. So steht es in der Liste nach § 20 TrinkwV. Für das Reaktionsprodukt Chlorit gilt ein Höchstwert von 0,2 mg/l.
Ist Wasserstoffperoxid zur Trinkwasserdesinfektion zugelassen?
In der Liste nach § 20 TrinkwV steht Wasserstoffperoxid nur im Teil für allgemeine Aufbereitungsstoffe, mit dem Verwendungszweck Oxidation. Im Teil der Stoffe zur Desinfektion fehlt es. Für die Desinfektion von Anlagen, nach der das Wasser verworfen wird, nennen die DVGW-Arbeitsblätter W 291 und W 551-3 Wasserstoffperoxid neben Natriumhypochlorit und Chlordioxid.
Ist Silber noch zulässig?
In der aktuellen Liste nach § 20 TrinkwV steht Silber nicht mehr, spätestens seit 2019 ist es gestrichen. Frühere Fassungen erlaubten Silber nur zur Konservierung von gespeichertem Wasser, bei nicht systematischem Gebrauch im Ausnahmefall. Ein Desinfektionsmittel war Silber auch dort nicht.
Gibt es eine EU-Trinkwasserverordnung?
Nein. Auf europäischer Ebene gilt die Trinkwasserrichtlinie (EU) 2020/2184. Deutschland hat sie mit der Trinkwasserverordnung vom 20. Juni 2023 umgesetzt. Maßgeblich für Betreiber in Deutschland ist die Trinkwasserverordnung.
Welche Unterlagen bekomme ich von biostream?
Für Hygienedokumentation, Audits und Behördenvorlagen stellen wir das Sicherheitsdatenblatt, das Produktetikett mit Betriebsanweisung und die Angaben zu den geltenden Regeln für Ihren Anwendungsfall bereit. Wenn Sie eine bestimmte Unterlage für eine Ausschreibung oder eine Begehung benötigen, sprechen Sie uns an.
Quellen
- Umweltbundesamt: Liste der zulässigen Aufbereitungsstoffe und Desinfektionsverfahren gemäß § 20 TrinkwV, Stand Januar 2023
- Trinkwasserverordnung, § 20 und Anlage 2
- Verordnung (EU) Nr. 528/2012 über Biozidprodukte
- DIN EN 12671:2016-09 bei DIN Media
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