Warmwassertemperatur gegen Legionellen: was gilt?

Legionellen vermehren sich zwischen etwa 25 und 45 °C sehr gut; ab 50 °C wird die Vermehrung gehemmt, oberhalb von 60 °C sterben sie schnell ab. So beschreibt es der DVGW. In Anlagen mit zentralem Trinkwassererwärmer und Zirkulation verlangen die technischen Regeln deshalb mindestens 60 °C am Ausgang des Trinkwassererwärmers und mindestens 55 °C in der gesamten Zirkulation.

Welche Temperaturen gelten?

AnlageAnforderungQuelle
Zentraler Trinkwassererwärmer mit Zirkulationmindestens 60 °C am Ausgang des Trinkwassererwärmers, mindestens 55 °C in der gesamten ZirkulationDVGW (2023), nach W 551
ZirkulationssystemTemperaturabfall zwischen Ausgang und Wiedereintritt höchstens 5 KDVGW (2012), nach W 551
EntnahmestelleWarmwasser nach Ablauf von höchstens 3 Litern mindestens 55 °CLGL Bayern
Kleinanlage im Ein- oder Zweifamilienhaus ohne Zirkulationuntere Betriebstemperatur 50 °C nach den technischen Regeln; empfohlen werden 55 bis 60 °CDVGW (2023); Umweltbundesamt (2023)

Die Zahlen gehören zusammen, dürfen aber nicht vermischt werden: 50 °C ist die technische Untergrenze für kleine Anlagen, 55 bis 60 °C sind die Empfehlung. Das Umweltbundesamt empfiehlt allgemein ein Temperaturniveau von durchgängig über 55 °C.

Was ist eine Kleinanlage, was die 3-Liter-Regel?

Als Kleinanlage gelten Anlagen mit einem Trinkwassererwärmer von höchstens 400 Litern und höchstens 3 Liter Inhalt in jeder Leitung zwischen dem Abgang des Trinkwassererwärmers und der Entnahmestelle. Dieselben Grenzen von 400 und 3 Litern entscheiden nach § 31 der Trinkwasserverordnung darüber, ob eine Anlage auf Legionellen untersucht werden muss. Den Inhalt der Zirkulationsleitung rechnet die Verordnung dabei nicht mit. Mehr dazu unter Legionellenprüfung.

Wärmepumpe und Legionellen: was tun?

Das Umweltbundesamt nennt die Erwärmung von Trinkwasser mit einer Wärmepumpe wegen der nötigen hohen Temperatur oft eine Herausforderung für den Legionellenschutz. In seiner Beispielrechnung für ein typisches Einfamilienhaus sinkt die Jahresarbeitszahl für die Trinkwassererwärmung von 3,22 auf 2,19, wenn die Temperatur von 48 auf 60 °C steigt und eine Zirkulation betrieben wird; Endenergiebedarf und Energiekosten steigen dadurch um rund 15 Prozent.

Für private Ein- und Zweifamilienhäuser gibt es keine festen Vorschriften; empfohlen werden mindestens 55 bis 60 °C. Der Grundsatz, den der DVGW vom Umweltbundesamt übernimmt, lautet: Gesundheitsschutz geht vor Energieeinsparung.

Hilft eine Legionellenschaltung?

Bei einer Legionellenschaltung wird der Speicher nicht dauerhaft heiß gehalten, sondern nur periodisch, etwa einmal am Tag, kurz auf über 60 °C aufgeheizt. Das Umweltbundesamt hält fest, dass solche Schaltungen weder im technischen Regelwerk verankert sind noch ein Nachweis ihrer Wirksamkeit im realen Betrieb vorliegt, und bewertet sie als keine sichere Variante des Legionellenschutzes. Der DVGW schreibt, die Legionellenschaltung könne ausgeschaltet werden, weil es keinen wissenschaftlichen Nachweis für eine Verringerung der Legionellenkonzentration gebe. Die Verbraucherzentralen empfehlen, den Speicher dauerhaft auf 60 °C zu fahren.

Was ist eine thermische Desinfektion?

Eine thermische Desinfektion ist eine gezielte Maßnahme, wenn bereits Legionellen nachgewiesen sind: Jede Warmwasser-Entnahmestelle wird bei voll geöffnetem Auslass mindestens 3 Minuten lang mit mindestens 70 °C beaufschlagt; Zeiten und Temperaturen werden gemessen und dokumentiert. Die Regeln dafür stehen in DVGW W 551 und W 551-3. Sie wirkt nur dort, wo die Temperatur ankommt, und ersetzt nicht die richtige Temperatur im täglichen Betrieb.

Warum stehendes Wasser gefährlich ist

In selten genutzten Leitungen und Totsträngen kühlt Warmwasser ab und fällt in den Temperaturbereich, in dem Legionellen gut wachsen. Dort bildet sich leicht ein Biofilm, aus dem Keime das Wasser immer wieder belasten. Die VDI 6023 Blatt 1 verlangt einen regelmäßigen Wasseraustausch an allen Entnahmestellen; Fachveröffentlichungen zur Richtlinie nennen dafür eine Grenze von 72 Stunden. Wie Biofilme entstehen, erklärt die Seite Biofilme bekämpfen.

Häufige Fragen zu Temperatur und Legionellen

Welche Warmwassertemperatur verhindert Legionellen?

In Anlagen mit zentralem Trinkwassererwärmer und Zirkulation mindestens 60 °C am Ausgang des Erwärmers und mindestens 55 °C in der gesamten Zirkulation. Oberhalb von 60 °C sterben Legionellen nach DVGW schnell ab, ab 50 °C wird ihre Vermehrung gehemmt.

Reichen 50 °C im Einfamilienhaus?

50 °C ist nach den technischen Regeln die untere Betriebstemperatur für Kleinanlagen ohne Zirkulation. Empfohlen werden 55 bis 60 °C. Eine gesetzliche Vorgabe für private Ein- und Zweifamilienhäuser gibt es nicht.

Wie oft muss eine Legionellenschaltung laufen?

Das Umweltbundesamt bewertet die Legionellenschaltung als keine sichere Variante des Legionellenschutzes, weil ihre Wirksamkeit im realen Betrieb nicht nachgewiesen ist. Sicherer ist ein dauerhaft ausreichendes Temperaturniveau.

Kann ich Chlordioxid im Warmwasser einsetzen?

biostream® ZERO darf nach der Dosieranleitung bei höchstens 40 °C eingesetzt werden, weil der Wirkstoff bei höherer Temperatur zerfällt. Eine chemische Desinfektion des Warmwassersystems mit biostream® ZERO setzt deshalb voraus, dass das Wasser unter 40 °C liegt. In Gebäuden führt eine Anlagendesinfektion ein Fachbetrieb nach DVGW W 551-3 durch.

Was kann ich als Gast in Hotel, Klinik oder Pflegeheim tun?

Fragen Sie bei den Verantwortlichen nach, ob das Trinkwasser regelmäßig auf Legionellen untersucht wird und welche Maßnahmen es zum Schutz gibt. Für Einrichtungen mit öffentlicher Tätigkeit schreibt die Trinkwasserverordnung unter den Voraussetzungen des § 31 eine jährliche Untersuchung vor.

Quellen

Diese Seite ersetzt keine Fachplanung. Temperaturen und Maßnahmen für eine bestimmte Anlage legt ein Fachbetrieb fest.

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