Trinkwasser-Installation spülen und desinfizieren
Erst spülen, dann, wenn nötig, desinfizieren. Bei Neuinstallationen und nach Reparaturen reicht oft das Spülen mit Wasser. Nur wenn damit nicht die nötige Trinkwasserqualität erreicht wird, kommt eine Desinfektion dazu. So steht es im Merkblatt des Zentralverbands Sanitär Heizung Klima. Die technischen Regeln für die Desinfektion stehen in DVGW W 551-3 für Trinkwasser-Installationen und in DVGW W 291 für Wasserversorgungsanlagen.
Wann spülen, wann desinfizieren?
Verunreinigungen gelangen vor allem bei Neuinstallationen und bei Instandsetzungsarbeiten in das System; die größte Gefahr ist dabei die Kontamination mit Krankheitserregern. Das ZVSHK-Merkblatt sieht deshalb zuerst das Spülen vor. Zwischen Spülen und Inbetriebnahme sollen keine Stillstandzeiten entstehen, damit sich keine Bakterien vermehren.
Bei einer mikrobiellen Kontamination kann eine Desinfektion nötig werden, so beschreibt es der DVGW. Für Legionellen gelten seit 2023 der technische Maßnahmenwert nach Anlage 3 der Trinkwasserverordnung und die Pflichten aus § 51. Ist der Zustand der Trinkwasser-Installation die Ursache, darf dort nach § 23 Abs. 3 nur auf Anordnung des Gesundheitsamts desinfiziert werden, und der Betreiber muss die Installation sanieren.
Welche Regeln gelten?
| Regelwerk | Gegenstand |
|---|---|
| DVGW W 551-3 (2022-08) | Reinigung und Desinfektion von Trinkwasser-Installationen einschließlich nicht ortsfester Anlagen; ersetzt W 557 unverändert |
| DVGW W 291 (2021-12) | Reinigung und Desinfektion von Wasserversorgungsanlagen, also der Verteilung vor der Trinkwasser-Installation |
| DVGW W 551-2 (2022-08) | hygienisch-mikrobielle Auffälligkeiten in der Trinkwasser-Installation: Methodik und Maßnahmen |
| ZVSHK-Merkblatt (2014) | Spülen, Desinfizieren und Inbetriebnahme von Trinkwasser-Installationen |
| DIN EN 806-4 (2010-06) | Installation; Abschnitt 6 zu Befüllung, Druckprüfung und Spülen |
| VDI 6023 Blatt 1 | Hygiene in Trinkwasser-Installationen: Planung, Ausführung, Betrieb und Instandhaltung |
Wie läuft eine chemische Anlagendesinfektion ab?
- Anlass und Umfang klären. Ein Befund oder eine Reparatur zeigt, welcher Teil der Anlage betroffen ist. Bei Legionellen gehören Ursachenklärung und Risikoabschätzung nach § 51 TrinkwV dazu.
- Reinigen und spülen. Ablagerungen und Verschmutzungen müssen vorher heraus; die Richtlinie Nr. 5 für Schiffe nennt die mechanische Reinigung vor einer Systemdesinfektion ausdrücklich obligatorisch.
- Desinfektionsmittel einbringen. Die DVGW-Regeln nennen als bewährte Chemikalien Wasserstoffperoxid, Natriumhypochlorit und Chlordioxid. Konzentration und Anwendung richten sich nach den Herstellerangaben.
- Einwirken lassen. Die erforderlichen Einwirkzeiten können nach DVGW-Angaben erfahrungsgemäß bis zu 24 Stunden betragen.
- Gründlich spülen. Nach der Anlagendesinfektion muss gründlich gespült werden, um Reste des Desinfektionsmittels auszuspülen.
- Erfolg prüfen. Eine mikrobiologische Untersuchung durch eine zugelassene Untersuchungsstelle zeigt, ob die Anlage wieder einwandfreies Trinkwasser liefert.
Wie funktioniert eine thermische Desinfektion?
Bei der thermischen Desinfektion wird das Warmwasser so weit erhitzt, dass an jeder Warmwasser-Entnahmestelle bei voll geöffnetem Auslass mindestens 3 Minuten lang mindestens 70 °C anliegen. Zeiten und Temperaturen sind zu messen und zu dokumentieren. So beschreiben es das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit und Gesundheitsämter in Anlehnung an DVGW W 551 und W 551-3. Das Kaltwasser erfasst diese Methode nicht.
Was ist nach längerem Stillstand zu tun?
Steht Wasser lange in den Leitungen, vermehren sich Keime leichter. Die VDI 6023 Blatt 1 verlangt einen regelmäßigen Wasseraustausch an allen Entnahmestellen; Fachveröffentlichungen zur Richtlinie nennen dafür eine Grenze von 72 Stunden, danach gilt der fehlende Austausch als Betriebsunterbrechung. Vor der Wiederinbetriebnahme wird gespült; zeigt eine Untersuchung eine Kontamination, folgt die Desinfektion.
Für mobile und zeitweilige Anlagen gelten dieselben Grundsätze. Die DVGW-Hinweise für Volksfeste verlangen, Hydrant und Standrohr mindestens 5, besser 10 Minuten zu spülen und alle Leitungen morgens zu spülen. Die Anleitungen für Wassertanks und Trinkwasserschläuche zeigen das Vorgehen im Einzelnen.
Häufige Fragen zum Spülen und Desinfizieren
Muss eine neue Trinkwasser-Installation desinfiziert werden?
Nicht grundsätzlich. Nach dem ZVSHK-Merkblatt wird eine neue Installation zuerst gespült. Nur wenn das Spülen mit Wasser nicht die nötige Trinkwasserqualität für die Inbetriebnahme erreicht, kommen zusätzlich Desinfektionsverfahren zum Einsatz.
Welche Desinfektionsmittel werden für eine Anlagendesinfektion verwendet?
Die DVGW-Arbeitsblätter W 291 und W 551-3 nennen Wasserstoffperoxid, Natriumhypochlorit und Chlordioxid als bewährte Desinfektionschemikalien, W 291 zusätzlich Calciumhypochlorit. Die Anwendung richtet sich nach den Herstellerangaben.
Wer darf eine Anlagendesinfektion durchführen?
Das DVGW-Arbeitsblatt W 557, heute W 551-3, richtet sich an Planer, Errichter, Betreiber, Behörden und ausführende Fachfirmen. Für die Trinkwasserversorgung auf Volksfesten verlangen die DVGW-Hinweise ausdrücklich, dass ein Fachunternehmen die Anlagendesinfektion durchführt. Den eigenen Wassertank im Wohnmobil oder Boot können Sie mit einer Anleitung selbst desinfizieren.
Wie lange muss das Desinfektionsmittel einwirken?
Das hängt von Mittel und Konzentration ab. Der DVGW gibt an, dass die erforderlichen Einwirkzeiten erfahrungsgemäß bis zu 24 Stunden betragen können. Für biostream® ZERO nennt die Dosieranleitung die Einwirkzeit je Stufe.
Quellen
- ZVSHK: Spülen, Desinfizieren und Inbetriebnahme von Trinkwasser-Installationen (Leseprobe)
- DVGW W 551-3 und die W-551-Reihe
- DVGW twin Nr. 05: Desinfektion von Trinkwasser-Installationen (2009)
- DVGW twin Nr. 15: Trinkwasserversorgung auf Volksfesten (Juni 2026)
- DVGW: Desinfektion in der Trinkwasser-Installation
- LGL Bayern: Legionellen
- VDI 6023 Blatt 1
Diese Seite ersetzt keine Fachplanung und keine Auskunft des Gesundheitsamts. Arbeiten an der Trinkwasser-Installation eines Gebäudes gehören in die Hände eines Fachbetriebs.